Die Seele scheint in der Stimme durch

Soviele Menschen habe ich nun schon getroffen, die merken, dass sie sich um ihre Stimme kümmern müssen. Sie erzählen mir, dass ihre Stimme sich nicht frei anfühlt, dass sie gepresst klingt, sogar schmerzt. Das sind typische Symptome für eine Über-Anstrengung, die wir in unserem Leben etabliert haben. Diese Anstrengung ist nicht individuell – sie ist gesellschaftlich verankert. Nur wenige von uns erleben sich selbst als dauerhaft einigermaßen ausgeglichen, als überwiegend entspannt und vertrauensvoll. Nackenschmerzen, Rücken- und Magenbeschwerden – das kennen wir alle schon eher. Wir wünschen uns Pillen, die uns dagegen helfen. Einen Arzt, der uns heilen kann. Und vergessen, dass wir uns selbst heilen können – wenn wir es wollen. Wenn wir die Aufmerksamkeit aufbringen, uns selbst zu begegnen.

Die Stimme ist direktes Ausdrucksmittel unserer Gedanken und Gefühle. Unsere Anstrengung spiegelt sich in ihr, unsere Liebe, unsere Angst – in der Stimme werden sie hör- und fühlbar. Viele Emotionen wollen wir lieber verstecken – und verengen uns und unsere Stimme dadurch noch mehr.

Wenn in der Stimmarbeit durch Atem- und Körper-Entspannung auch der Zugang zur eigenen Stimme wieder möglich wird, dann können wir entdecken, dass sie unter aller Anstrengung ganz frei und ruhig immer noch da ist. Ganz einfach. Meistens ist das die größte Erleichterung im gesamten Prozeß.

Sie muss nicht ge’bildet‘ werden. Sie darf befreit werden. Wie unsere tiefste Stille in der Meditation, ist unsere freie und schöne Stimme immer da – wenn wir sie lassen. Wenn wir uns selbst da sein lassen.

Unsere Stimme ist mit unserem tiefsten Kern in Kontakt. Die Seele scheint in der Stimme durch – und wenn wir sie lassen, werden unsere Gefühle und Gedanken zu Geschenken, die wir geben, indem wir sind.

photo credit: Marli Harten

Alles. Liebe.

Immer.

Maren*