„Get off me!!!“ – Wahrhaftig Nein sagen

photo credit: Anne Spratt

Oder: Was eine Terrier-Attacke und der 16. Salon Mondaine gemeinsam haben.

Tja. Heute morgen war es wieder mal soweit. Standbild: Ich, mitten im Sprint, mit 20 Kilo Backpack auf dem Rücken, in FlipFlops, mit einem Terrier an den Haken, mitten in Berlin.

Dachte ich auch nicht, dass ich das mal erlebe. Und dachte ich auch nicht, dass ich so aus vollstem Herzen mal BRÜLLEN würde – und ich schreibe das Wort BRÜLLEN hier extra groß: „GET OFF ME!!!“

Dieses „GET OFF ME!!!“ kam wirklich aus vollster Tiefe. Aus einer solchen Tiefe, dass der Terrier sofort die Klappe hielt und sich in sich selbst verkroch. Wäre ich ein Terrier, hätte ich auch gewinselt. Aber ich bin keiner, sondern eine Frau, mal wieder zu spät für ihren Zug nach Hamburg, und deswegen rannte ich einfach weiter.

Nun sitze ich in besagtem Zug auf dem Weg nach Hause und staune immer noch über mein „Get off me!“. Zugegeben – ich staune auch darüber, dass ich den 800m Sprint mit dem Backpack in FlipFlops in 2 Minuten geschafft habe. Aber mein „Get off me!“ – das bleibt.

Ein wahrhaftes Nein!

12 Stunden früher saß ich gerade im Salon Mondaine der lovers, active community for conscious living, im Säälchen in Berlin, Gastgeberin die strahlende, starke und bezaubernde Yasmine Orth, und lauschte der Weisheit von 4 tollen Frauen, (Kristin Goas Oses, Nicole Srok-Stanley, Diana Doko und Vian Feldhusen) wie sie es zu Balance in Business schaffen – oder eben manchmal auch nicht schaffen. Es ging eben auch darum, die Balance zu wahren, in dem frau einfach mal Nein sagt, anstatt viel zu oft Ja. Nun ist das vielleicht eine etwas schroffe Übersetzung. Ein wahrhaftes Nein kann sicherlich auch ruhiger und freundlicher formuliert werden. Aber ich möchte mein „Get off me!!!“ in seiner Kraft, Direktheit und Durchsetzungsgewalt irgendwie in meinem Herzen behalten. Um einfach zu wissen, dass ich dieses Feuer habe. Hier beißt mir niemand ins Bein! Schon gar kein kleiner kläffender Terrier.

Ein wahrhaftes Nein ist auch ein herz-haftes Nein

Kristin Goas Oses, Coach & Presönlichkeitsentwicklerin und eine der 4 Speakerinnen am gestrigen Abend, leitete dazu auch eine erhellende Spiegel-Übung mit einer der Frauen im Publikum an. Dabei wird dir dein Nein von deinem Gegenüber gespiegelt. Das Überraschende: Das Nein, das sich in dir drin wahnsinnig unfreundlich anfühlt, kann dennoch immer noch nach draußen klar und okay wirken. Innen- und Außenwahrnehmung sind nicht immer identisch. Bedeuted: Mehr Mut zum eigenen Nein haben. Egal, wie unverschämt wir uns eventuell innendrin damit fühlen.

Ich glaube, der Terrier fand nun mein Nein doch auch in der Außenwirkung überdeutlich. Aber es ist spannend, mal zu erforschen, ob wirklich etwas schlimmes geschieht, wenn wir aus unserer sicheren Tiefe und unserer Wahrhaftigkeit zu Dingen Nein sagen, die wir in unserem Leben nicht mehr wollen. Wahrscheinlich schafft ein klares Nein einfach mehr Klarheit und Balance, als ein widerwilliges Ja. Wichtig ist, dass wir nicht trotzig Nein sagen. Darin liegt unterschwellige Aggressivität und die bekommen wir direkt zurück. Wenn wir uns Zeit nehmen, unser offenes und ehrliches Nein zu finden, und es aus unserer Mitte heraus zu äußern, geben wir unserem Gegenüber auch die Möglichkeit, unser Nein zu nehmen. Manchmal geschehen dann die außergewöhnlichsten Dinge. Oft habe ich es zum Beispiel erlebt, dass alle erleichtert waren. Oder dass die Lösung plötzlich viel einfacher war. Oder dass einfach jemand anderes die Aufgabe übernommen hat. Ging ganz leicht. Geht es aber nicht immer.

Manchmal geht es nur groß!

Manchmal brauchen wir ein großes Nein. Ein wirkliches „GET OFF ME!!!“. Und für solch ein großes Nein brauchen wir unsere Zeit. Zeit, die wir mit schlaflosen Nächten verbringen. Mit Beratungen mit Freundinnen und Freunden. Mit Pro- und Contra-Listen. Mit Grübeleien. Manchmal auch mit Krankheiten, weil der Körper schon längst Nein sagt, auch wenn der mind noch nach guten Gründen zum Durchhalten sucht. Auch das gehört zur Balance. Die Dis-Balance zeigt uns den Weg zur Balance. Das Jein zeigt uns unseren Weg zum Nein. Oder zum Ja. Denn manchmal wollen wir auch ein herzhaftes Ja sagen, und trauen uns nicht.

photo credit: Oliver Cole

Auch eine schöne Idee: Zum Terrier umdrehen, anhalten und schreien: „Come on!!!“ Wahrscheinlich hätte er genau so perplex reagiert.

Sich selber fliegen lassen

Was wir wirklich wollen, im Beruf, in unserem Leben, das können wir am Ende des Tages nur selbst beantworten. Als Frauen liegt es eher in unserer Natur zu nähren und zu geben und ein Nein fällt uns nicht immer leicht. Es ist aber wichtig, damit wir nicht zu viel geben an Kraft, Energie, Können und Wissen, so viel, dass wir am Ende nicht mehr existent sind. Auf 5 Jas – bitte einmal Nein sagen – das ist die grobe Faustregel, so Kristin.

Meine Freundin will sich an die Kraft des Neins nun immer erinnern – und es sich auf ihr Handgelenk tätowieren lassen. Zusammen mit einem Vogel, der aus seinem Käfig ausbricht und fliegt. Ich finde das Bild wunderschön, und das ist auch das Gefühl, dass bei diesem Salon Mondaine irgendwie mit schwingt. Wir sind alle fähige und kluge und unglaubliche Frauen. Wir können nichts verlieren. Es ist wichtig, dass wir uns selbst unseren Käfig von Leistung, Sicherheit und den Erwartungen anderer aufschließen und uns fliegen lassen.

Unser Leben und unser Beruf ist auch ein bisschen ein Spiel, meint Nicole Srok-Stanley, CEO & Unternehmerin. Es als Challenge und ein bisschen sportlich zu sehen, hilft, Schwierigkeiten abends nicht mit ins Bett zu nehmen, sondern immer noch zu wissen, was die wirklich wichtigen Dinge sind. Unsere Kinder. Zeit mit Freunden und einer Tasse Kaffee in der Sonne. Musik. Zeit alleine am Wasser.

Das klingt immer wieder kitschig. Aber wenn Menschen am Ende ihres Lebens gefragt werden, was sie am meisten bereuen, dann sagen sie oft: ‚Dass ich mich um die Meinung anderer zu sehr gekümmert habe‘. Oder ‚Dass ich zu viel gearbeitet und es mir zu wenig habe gut gehen lassen‘. In diesem Sinne ist es unsere eigene Verantwortung, für unsere Balance zu sorgen – die wird uns niemand schenken, es sei denn, wir schenken sie uns selbst. Und es ist unsere eigene Verantwortung, aus tiefstem Herzen „Get off me!!!“ zu brüllen, wenn uns mal wieder die Terrier des Lebens in die Waden beißen wollen.

Dieses Leben ist eben ein einziges Abenteuer. Eine permanente Forschungsreise in unsere Balance und unsere Wahrheit. Das ist nicht immer leicht, aber verdammt interessant. Spannend. Und schön.

Mein größter Respekt und Dank für den gestrigen Abend gilt den inspirierenden Speakerinnen Vian Feldhausen, CEO & Unternehmerin, Diana Doko, Vorstand Freunde fürs Leben e.V., Nicole Srok-Stanley und Kristin Goas Oses –  der großartigen Moderatorin Andrea Thilo, der wunderbaren Musikerin Siri Svegler, die unsere Herzen geöffnet hat, allen Helfer_innen und Unterstützer_innen, allen Frauen, die da waren, allen Frauen, die nicht da sein konnten, und vor allem der mutigen und visionären Yasmine Orth, die wieder mal einen Raum geschaffen hat, an dem Frauen sich in Schönheit, Weisheit, Würde und Freiheit begegnen, vernetzen und inspirieren lassen können.

Und wer sich jetzt noch fragt, warum mein Backpack 20 Kilo schwer war: Als Stimmtrainerin, Life Coach und Medizinfrau habe ich am Wochenende das tolle Raw&Real Retreat für Frauen in Berlin gehalten. Und Medizinfrauen reisen eben – mit ihren Steinen, ihren Ahninnen und Ahnen, ihrer Klangschale und ihrer Trommel. Und mit 2 paar Schuhen, 3 Kleidern und 5 Röcken. Das ist viel – und das ist gut so.

Alles Liebe.

Immer.

Maren*

photo credit: Anne Oschatz