Im Wald baden gehen – und mal wieder atmen

Ich komme gerade von einem wundervollen Wochenende am Meer, und beim Spazieren gehen am Strand habe ich mal wieder aus vollem Herzen geatmet. All diese gute Gerüche. Tang, Salz, Wind, Sonne, Kiefern, Wasser.

Wie gut die Sonne riechen kann! Natürlich weiss ich, dass es nicht die Sonne ist, die so gut riecht, sondern dass ihre Wärme die Öle in den Kiefernharzen frei setzt. Aber irgendwie riecht doch die Luft anders bei Regen als bei Sonne, anders am Meer als im Wald, Schnee riecht anders als Sturm, und warmer Teer bei Sommerregen hat auch eine ganz besondere Note.

Beim Wandern im Sommer-Kiefern-Wald bin ich von der guten Luft ganz entzückt gewesen. Kindheitserinnerungen an endlose Sommer in Südfrankreich stiegen in mir auf. Es war ein wenig, als könnte ich mich gar nicht mehr ’satt‘ atmen.

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Meine Freundin lachte dann auch sehr, als ich so schnaufend neben ihr durch den Wald lief. Und dann erzählte sie mir vom sogenannten ‚Waldbaden‘. In Japan gilt es als Erholung, Wellness und Notwendigkeit, in der Woche mindestens 3 Stunden im Wald zu laufen und die würzige Luft einzuatmen. Dieses Waldbaden gilt dort für die Gesundheit und die Seele so förderlich, dass es mittlerweile in den Schulen auf dem Lehrplan steht. Wie großartig ist das denn bitte?!?

In der Stadt atmen wir viel zu kurz ein und aus. Natürlich – es ist ja auch unklug, soviel verschmutzte Luft einzuatmen. Auch die Haltung am Computer führt zu Kurzatmigkeit und Verspannung. Und dann wundern wir uns, wenn wir uns abgeschlagen und müde fühlen. Sogar grundlos traurig werden. Atem ist Lebens-Spender. Seine Qualität hat natürlich direkten Einfluss auf unser Befinden – und auf unsere ganze Lebensqualiät.

Und unser Atem ist der Träger unserer Stimme – wenn wir das einmal verstanden haben, dann können wir auch nachvollziehen, wie gute, frische und tief eingeatmete Luft uns zu einer kraftvolleren, lebendigen Stimme verhelfen kann. Wenn uns die Stimme wegbleibt, rauh, heiser oder leise ist, dann häufig eben auch, weil wir in trockenen Räumen mit abgestandener Luft sitzen. Einmal um den Block zu laufen, tief zu atmen (egal ob es nun im Park oder auf der Straße ist) und bewusst Wasser zu trinken kann dann manchmal schon Wunder wirken.

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Aber am tollsten für Stimme, Lunge, Seele und Herz ist es natürlich, wenn wir mal wieder mit richtig viel Zeit im Wald baden gehen… uns verlieren für ein paar Stunden, barfuss laufen, ein Picknick dabei haben, und genug Zeit haben, einfach mal wieder auf der Wiese zu liegen und in die Wolken zu schauen. Wir denken so oft, dass das dann verlorene Zeit ist, die wir uns nicht leisten können. Das Waldbaden der Japaner hat dabei auch mir den Kopf mal wieder gerade gerückt: Solche Zeiten sind eine notwendige Investition in uns selbst und unser Wohlbefinden. Auch unsere Arbeit profitiert von unserem tieferen Atem, von mehr Sauerstoff-Zufuhr, von Zeit zur Ideen-Entwicklung, vom Nichts-Tun – und Einfach-Nur-Atmen. Unsere Stimme profitiert davon auch. Und unser Herz erst. Das kriegt sich gar nicht mehr ein.

Wir könnten alle mehr vor Begeisterung schnaufend durch den Wald laufen. Heilsam ist das. Und stärkend. Und lustig. Und schön. Ich freue mich darauf, euch bald im Wald zu treffen!

Alles Liebe.

Immer.

Maren*

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