Mach mal Sutsche – Die Kraft der Pause

Wow – was für eine Woche. Manchmal lacht das Universum und packt uns alle Möglichkeiten in 7 Tage. Dann kann man nichts sagen außer ‚JA!‘ und wie Beppo, der Straßenkehrer, einen Besenstrich nach dem anderen machen.

Als sich vor 2 Wochen zu kristallisieren begann, dass die nächste Zeit einfach eins wird, nämlich ziemlich voll, war ich nur kurz etwas sprachlos. Dann musste ich lachen. Ich hatte wirklich keine Ahnung wie das alles werden würde, mit Workshops, Terminen, Steuerberatung, Unterricht, Coaching, Blog (hahaha 🙂  ) , Newsletter, Vorbereitung, Gesprächen, Frauenkreisen, Meet&Greets und Marketingstrategie-Entwicklung. Äußere und innere Arbeit ‚Full On‘.

Nun bin ich mitten drin und ich muss sagen: Es geht. Und es geht sogar sehr gut. Das liegt aber vor allem dadran, dass ich manchmal auch auf ein paar Dinge verzichte und stattdessen ‚Pause‘ mache. Den ersten Mai habe ich gerade einfach im Bett verbracht. Nicht sehr 1.Mai mäßig — obwohl eigentlich — wenn ich jetzt so darüber nachdenke — Revolution bedeutet manchmal, einfach im Bett zu bleiben.

Unsere Arbeitswelt ist so wahnsinnig Fleiß-fixiert. Deswegen möchte ich mich heute ganz ausdrücklich mal fürs ‚Krank machen‘ einsetzen. Fürs Absagen. Für die Decke über den Kopf ziehen und nicht funktionieren. Tom Hodgkinson hat das in seiner berühmten ‚Anleitung zum Müßiggang‘ schon vor Jahren vorgeschlagen. Wir brauchen kreative Pausen. Ideen werden aus der Stille geboren. Selten während des Tabellen erfassens (obwohl ich das auch schon erlebt habe, vor lauter Sehnsucht auszubrechen).

Wir brauchen das Nichts-Tun.

Warum?

Weil zu einem erfolgreichen Prozess auch die Integration gehört. Die ist so wichtiger Bestandteil wie die Aktion. Idee – Aktion – Integration. Wenn man es denn wissenschaftlich ausdrücken will.

Letzte Woche hatte ich durch eine solche selbsverordnete Integrationsphase mal wieder die Chance mit einer Freundin zu sprechen – ohne Dauerbespaßung ihres Kindes, ohne Termindruck, ohne Sinn. Was wir gemacht haben? Im Badezimmer über die Welt gesprochen. Über uns. Über alles was unter der Schutzschicht des Funktionierens so verborgen liegt.

Und diese Woche habe ich gemerkt, dass ich krank werde, wenn ich mich und meinen Körper jetzt nicht achte. Und die Reißleine gezogen. Lieber 2 Tage eine etwas weniger aktive Performance als 7 Tage krank, weil ich mich übergangen habe.

Und das Verrückte: Es funktioniert alles trotzdem! Die Welt rollt weiter! Alles bleibt im Fluss, auch wenn ich nicht jeden Morgen um 6.00 Uhr am Start bin.

Ah, werden viele jetzt sagen – Du bist ja auch keine Mutter. Und ja, das stimmt, ich bin frei und ungebunden und am Ende des Tages nur mir selbst gegenüber verantwortlich. Aber meine Freundin ist Mutter und auch sie hat es geschafft. Und ganz ehrlich: Das war überfällig, wichtig und unbezahlbar. Wir brauchen Pausen! Mütter vor allem! Am Ende des Tages müssen wir uns die irgendwie selber nehmen. Selten wird jemand kommen und sagen, hey, komm, mach mal eine Pause.

Wir müssen unser Recht auf Pausen wieder einfordern. Vor allem vor uns selbst.

Vor unserem inneren Richter, Kritikerin, Aufpasser, Bessermacherin. Wir brauchen uns doch selbst so schön und gut wie es möglich ist. Ich habe noch niemanden getroffen, der kreativ, schlau und toll sein konnte – ohne Pausen.

Ich mach in meinen Pausen manchmal gar nichts. Manchmal höre ich nur Hörbücher, am besten Harry Potter, den kenne ich auswendig und schlafe dabei ein. Essen, schlafen, durch die Wohnung wandern. Integrieren, was alles aufregendes passiert ist. Es ist so viel passiert!! Es wird soviel passieren! Lassen wir uns ein wenig Atem schöpfen. Einen Besenstrich nach dem anderen machen. Lachen, still sein, nichts schlaues denken, an den Seiten der Gitarre zupfen – oder auch nicht. Spaghetti mit Tomatensoße kochen und mehr auch nicht. Das Einfache ist manchmal das Heilsame.

Dann kann ich auch wieder raus springen. Einen Blog schreiben, die Ablage machen, den Newsletter konzipieren. Die Zeit, die ich habe reicht. Und ich habe mir das Recht genommen, auch wieder Lust zu bekommen auf meine Arbeit, das nächste Treffen, die nächste Aufgabe.

Das hier ist unser Leben. Es gehört uns. Und das heisst wir dürfen auch manchmal den Stecker ziehen und die Welt Welt und uns uns sein lassen. Wir kommen hier eh nicht lebend heraus. Das was wir machen ist gut genug. Durchatmen und langsam machen kann am Ende auch eins sein: Inspiration.

Ich wünsche euch wunderbare Pausen!

Eure Maren*

 

 

Photo Credit: Anne Oschatz, www.anneoschatz.de,

David Cohen & Elizabeth Lies, www.unsplash.com